Viele Menschen, die sich erstmals mit Persönlicher Assistenz beschäftigen, denken dabei an Filme wie „Ziemlich beste Freunde“. Deshalb taucht in Bewerbungsgesprächen oft die Frage auf, ob zwischen Assistenznehmer und Assistenz automatisch eine Freundschaft entsteht.
Die ehrliche Antwort lautet: Persönliche Assistentinnen und Assistenten sind in erster Linie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Persönliche Assistenz ist ein Arbeitsverhältnis mit klaren Aufgaben, Verantwortlichkeiten und einer professionellen Zusammenarbeit.
Gleichzeitig unterscheidet sich diese Tätigkeit von vielen anderen Berufen. Man verbringt oft viele Stunden gemeinsam, unterstützt im Alltag, auf Reisen, bei beruflichen Terminen oder Freizeitaktivitäten und erlebt dabei auch persönliche Momente. Dadurch entsteht häufig ein vertrauter und wertschätzender Umgang miteinander.
Kann daraus eine Freundschaft entstehen?
Ja, das kann passieren. Muss aber nicht.
Wie in jedem anderen Beruf entwickeln sich zwischen Menschen ganz unterschiedliche Beziehungen. Manche Arbeitsverhältnisse bleiben über viele Jahre hinweg eher sachlich und professionell. Andere werden persönlicher und von großer gegenseitiger Sympathie geprägt.
Freundschaft lässt sich jedoch weder planen noch erwarten. Sie ist nicht Voraussetzung für eine gute Persönliche Assistenz.
Wie ist das im AssistenzTEAM?
Im AssistenzTEAM gibt es dafür ganz unterschiedliche Beispiele.
Mit manchen Assistentinnen und Assistenten haben sich über die Jahre Freundschaften entwickelt. Teilweise gibt es gemeinsame Freundeskreise, man trifft sich auch außerhalb der Arbeit und kennt die Familien des jeweils anderen. Es kommt vor, dass man sich gegenseitig zu Geburtstagsfeiern, Grillabenden oder anderen privaten Aktivitäten einlädt. In einzelnen Fällen kann die Beziehung sogar so eng werden, dass man bei wichtigen Lebensereignissen wie Hochzeiten eingeladen ist oder sich die Familien über viele Jahre hinweg gut kennen.
Das ist schön, wenn es passiert. Es ist aber weder ein Maßstab noch ein Ziel, das erreicht werden muss.
Genauso gibt es Assistentinnen und Assistenten, die seit Jahren geschätzt und fest im Team verankert sind, obwohl über ihr Privatleben kaum etwas bekannt ist. Manche Menschen erzählen viel von sich, andere sehr wenig. Auch das ist völlig in Ordnung und sagt nichts über die Qualität ihrer Arbeit oder die Wertschätzung im Team aus.
Wie viel Nähe oder Distanz ist sinnvoll?
Auch das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.
Manche Assistenznehmerinnen und Assistenznehmer wünschen sich eine eher sachliche Zusammenarbeit und brauchen mehr Abstand oder Rückzugsmöglichkeiten. Andere kommunizieren gerne, beziehen die Assistenz stärker in ihren Alltag ein und schätzen den persönlichen Austausch.
Wichtig ist deshalb nicht, dass alle gleich sind, sondern dass du dich auf unterschiedliche Persönlichkeiten einstellen kannst. Ein gutes Gespür für Nähe und Distanz, Respekt und gegenseitige Rücksichtnahme sind dabei oft wichtiger als gemeinsame Hobbys oder Interessen.
Offen kommunizieren statt Vermutungen anzustellen
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kommunikation.
Menschen haben unterschiedliche Erfahrungen, Gewohnheiten, Erwartungen und Sichtweisen. Deshalb kann es vorkommen, dass dir etwas auffällt, du eine Situation anders einschätzt oder eine andere Lösung bevorzugen würdest.
In solchen Fällen ist es wichtig, miteinander zu reden.
Viele Missverständnisse entstehen nicht durch böse Absicht, sondern weil Erwartungen unausgesprochen bleiben oder beide Seiten von unterschiedlichen Annahmen ausgehen. Was für die eine Person selbstverständlich ist, muss für die andere noch lange nicht selbstverständlich sein.
Deshalb schätzen wir Menschen, die Fragen stellen, Beobachtungen ansprechen und Unsicherheiten offen kommunizieren können. Oft lassen sich Themen in wenigen Minuten klären, bevor daraus Frust, Missverständnisse oder Konflikte entstehen.
Genauso wichtig ist es, Rückmeldungen annehmen zu können. Manchmal erfährst du, dass eine Aufgabe anders erledigt werden soll, als du es gewohnt bist. Das ist keine persönliche Kritik, sondern Teil einer Zusammenarbeit, in der unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Arbeitsweisen aufeinandertreffen.
Was bedeutet das für die Zusammenarbeit?
Im AssistenzTEAM pflegen wir einen offenen, freundlichen und kollegialen Umgang miteinander.
Man spricht miteinander, tauscht Erfahrungen aus, hilft sich gegenseitig und ist Teil eines Teams. Dadurch entstehen nicht selten Freundschaften zwischen Assistentinnen und Assistenten, die weit über den Arbeitsplatz hinausgehen. Viele ehemalige Teammitglieder bleiben auch nach ihrem Ausscheiden mit dem Team oder mit Andreas in Kontakt.
Gleichzeitig respektieren wir, wenn jemand Berufliches und Privates lieber stärker voneinander trennen möchte.
Wir erwarten nicht, dass immer alle derselben Meinung sind. Unterschiedliche Perspektiven, Ideen und Erfahrungen sind völlig normal und oft sogar bereichernd. Wichtig ist uns jedoch, dass Themen offen angesprochen werden. Wenn etwas unklar ist, wenn Erwartungen auseinandergehen oder wenn eine Situation belastend wird, sprechen wir darüber.
Unser Ziel ist nicht, Konflikte zu vermeiden, sondern Missverständnisse frühzeitig zu klären, bevor daraus Konflikte werden.
Das Wichtigste in einem Satz
Persönliche Assistentinnen und Assistenten sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, keine bezahlten Freunde. Eine gute Zusammenarbeit lebt jedoch von gegenseitigem Respekt, Vertrauen, offener Kommunikation und einer menschlichen Beziehung auf Augenhöhe. Aus einer solchen Zusammenarbeit können sich Freundschaften entwickeln – sie müssen es aber nicht. Entscheidend ist, dass man offen miteinander spricht und langfristig gut zusammenarbeitet.
