Wie erlebt ein Hund den Alltag im AssistenzTEAM? Collie-Dame Feli erzählt von ihren Abenteuern zwischen Bahnreisen, Wanderungen, Würsten, Assistenzhunden und dem Leben mit ihrer Besitzerin Miriam.
Vom schönsten Platz der Welt nach Wien
Hallo, ich bin Feli.
Genauer gesagt bin ich eine Collie-Dame von außergewöhnlicher Schönheit, beachtlicher Intelligenz und, wie ich finde, durchaus internationalem Ruf.


Meine Heimat liegt im schönsten Teil der Welt: in Südtirol. Dort gibt es Berge, Wiesen, frische Luft und genügend Platz für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens.
Trotzdem habe ich mich damals entschieden, mit Miriam nach Wien zu ziehen, als sie Ernährungswissenschaften studieren wollte.
Aus meiner Sicht war das allerdings eine eher fragwürdige Studienwahl.
Nicht weil ich etwas gegen Ernährung hätte.
Ganz im Gegenteil.
Sondern weil sie sich auf die Ernährung von Menschen spezialisiert hat.
Nicht auf Hunde.
Menschen reden ständig über Essen, beschäftigen sich aber oft mit den falschen Fragen. Statt herauszufinden, was besonders gut schmeckt, überlegen sie lieber, wie man möglichst schlank bleibt.
Ein Konzept, das mir bis heute nicht vollständig einleuchtet.
Eigentlich bin ich eher zurückhaltend. Ich mag meine Familie, die engsten Freunde von Miriam und einige wenige Menschen, die sich mein Vertrauen über die Jahre verdient haben.
Mit dem Rest der Welt halte ich lieber höflichen Abstand.
Eines Tages hat mich Miriam allerdings zu ihrer Arbeit mitgenommen.
Zunächst war ich skeptisch.
Ich befürchtete Vorträge über Gemüse, Kalorien oder andere unangenehme Themen.
Zum Glück stellte sich schnell heraus, dass es dort um ganz andere Dinge ging.
Und so begann mein Leben als gelegentliches Mitglied des AssistenzTEAMs.
Ein Hund auf Dienst
Wenn Miriam Dienst hat und es vom Tagesablauf passt, darf ich oft mitkommen.
Das mag ich sehr.
Natürlich weiß ich inzwischen, dass Miriam immer wieder nach Hause kommt. Ich habe schließlich genug Dienste erlebt. Trotzdem ist es schöner, mit dabei zu sein, als den ganzen Tag auf ihre Rückkehr zu warten.
Außerdem habe ich festgestellt, dass ich dort ausgesprochen willkommen bin.
Ich darf mich frei in der Wohnung bewegen, suche mir meine Lieblingsplätze selbst aus und werde überall freundlich aufgenommen.
Manche Nachmittage verbringe ich stundenlang auf dem Teppich und lasse mir die Sonne auf das Fell scheinen.
Im Sommer bevorzuge ich einen Platz neben der Klimaanlage.
Während die Menschen arbeiten, kümmere ich mich um die wichtigen Dinge des Lebens:
Entspannung.
Schlaf.
Und regelmäßige Qualitätskontrollen der Umgebung.
Nur einmal gab es eine kleine Meinungsverschiedenheit mit Andreas.
Ich hatte entdeckt, dass sein Bett außerordentlich bequem ist und daher offensichtlich auch für Collies meiner Qualität gedacht sein musste.
Andreas vertrat überraschenderweise die Ansicht, dass es sich um sein Bett handelt.
Nach einer kurzen Diskussion haben wir uns darauf geeinigt, dass ich andere Schlafplätze nutze.
Nicht jeder Konflikt muss eskalieren.
Andreas arbeitet bei der Bahn. Warum auch immer.
Manchmal muss Andreas allerdings tatsächlich arbeiten.
So richtig arbeiten.
Bei der Bahn.
Dann hilft Miriam ihm beispielsweise beim Tragen von Taschen oder unterstützt ihn am Drucker und Kopierer.
Die Unterlagen erstellt Andreas selbst, denn die vielen Bahnthemen, Zahlen, Konzepte und Präsentationen sind eindeutig sein Fachgebiet.
Miriam sorgt dann dafür, dass die Unterlagen an der richtigen Stelle landen.
Wenn ich ehrlich bin, verstehe ich diese Arbeit ohnehin nicht.
Da sitzen Menschen vor Bildschirmen und sprechen über Züge, Fahrpläne und Tabellen.
Aus meiner Sicht gäbe es wesentlich wichtigere Themen.
Hundegerechte Schlafwagenabteile zum Beispiel.
Oder besonders bequeme Plätze im Railjet.
Aber auf meine Expertise wird leider selten zurückgegriffen.
Über die wirklich wichtigen Dinge: Wurst
Zum Glück gibt es einen großen Lichtblick.
Wurst.
Andreas liebt Würste.
Rentierwürste aus Skandinavien.
Wildschweinwürste aus dem Waldviertel.
Getrocknete Würste aus Spanien.
Und viele andere wundervolle Produkte menschlicher Zivilisation.


Miriam wiederum ist Expertin dafür, was ich essen darf und was nicht.
Leider führt dieses Fachwissen häufig dazu, dass sie zusätzliche Wurstportionen kritisch beurteilt.
Andreas verfolgt einen pragmatischeren Ansatz.
Deshalb haben wir ein stilles Abkommen.
Wenn Miriam gerade nicht hinsieht, findet manchmal ein kleines Stück Wurst seinen Weg zu mir.
Ich verrate nichts.
Er teilt.
Eine ausgezeichnete Zusammenarbeit.
Beim Heurigen wird dieser Unterschied besonders deutlich.
Dort bekommt Miriam allerlei Essen serviert.
Salate.
Gemüse.
Und andere Pflanzen.
Also Dinge, die eigentlich viel besser meiner Freundin Brunhilde, einer sehr netten Kuh, schmecken würden.
An mich denkt dabei erstaunlich selten jemand.
Dabei sitze ich direkt daneben.
Das halte ich für eine organisatorische Schwäche.
Während Andreas und Miriam essen, bekomme ich meistens Wasser.
Nur Wasser.
Ich habe gelernt, meine Enttäuschung würdevoll zu tragen.
Menschen machen seltsame Dinge
Im Dienst ist Miriam oft erstaunlich beschäftigt.
Sie läuft Andreas hinterher, hebt Dinge irgendwo hinauf, holt sie wieder herunter, reicht Gegenstände an Stellen, an die er selbst nicht gut kommt, oder wäscht Wäsche.
Warum Menschen ständig Wäsche waschen, verstehe ich übrigens ebenfalls nicht.
Sie wird doch ohnehin wieder schmutzig.
Vor kurzem haben die beiden außerdem Dinge in Dosen eingefüllt.
Leider keine Wurst.
Danach wurden die Dosen in einen großen kalten Schrank eingeräumt.
Eine Woche später wurden sie wieder herausgenommen und gegessen.
Man hätte das Ganze doch auch gleich essen können.
Menschen machen sich das Leben manchmal unnötig kompliziert.
Die Sache mit dem Rücken
Wirklich eifersüchtig werde ich allerdings beim Duschen.
Andreas kommt mit seinen Armen nicht überall hin.
Besonders nicht an seinen Rücken.
Genau dort hilft Miriam ihm regelmäßig.
Und wisst ihr was?
Genau dort habe ich auch eine Stelle.
Zwischen den Schulterblättern.
Genau dort juckt es ständig.
Und trotzdem wird zuerst Andreas geholfen.
Eigentlich sollte doch zuerst ich gekrault werden.
Schließlich bin ich ihr Ein und Alles.
Aber mittlerweile kenne ich den Ablauf.
Erst wird gearbeitet.
Dann wird gegessen.
Dann taucht meistens irgendwo Wurst auf.
Und danach bekomme ich meine ausgiebigen Krauleinheiten.
Also beschwere ich mich nicht.
Man muss Prioritäten setzen.
Warum zur Löwygrube gehen, wenn es den Prater gibt?
Besonders spannend finde ich unsere Wanderungen.
Wobei ich bis heute nicht ganz verstehe, warum Menschen freiwillig so weit gehen.
Direkt vor der Haustür liegt der Prater.
Dort wohnen meine Freunde Roy, Jackie und Lala.
Trotzdem besteht Andreas gelegentlich darauf, zur Löwygrube zu wandern.
Dort angekommen schaut er meist lange in die Ferne oder legt sich in die Wiese.
Beides könnte er theoretisch auch näher an der Wohnung machen.
Andererseits weht dort oben ein herrlicher Wind durch mein Fell.
Und manchmal treffe ich andere Collies, mit denen man kurz Neuigkeiten austauschen kann.
Das entschädigt für den Fußmarsch.
Mit dem Zug in die Berge
Das größte Abenteuer war allerdings eine gemeinsame Reise in die Berge.
Ich durfte mit dem Zug mitfahren und bekam einen ausgezeichneten Platz mit viel Streckfreiheit.
Während meines Schönheitsschlafes erschien irgendwann ein Schaffner, der offenbar der Meinung war, mich stören zu müssen.
Ich habe ihm durch ein dezentes Knurren mitgeteilt, dass ich gerade beschäftigt bin.
Danach war die Angelegenheit geklärt.


Am Ziel angekommen hatten Miriam und ich sogar ein eigenes Zimmer.
Während Andreas tagsüber berufliche Termine mit der italienischen Bahn wahrnahm, konnten wir die Umgebung erkunden, neue Wege entdecken und interessante Gerüche analysieren.
Aus meiner Sicht eine ausgezeichnete Aufgabenverteilung.
Nicht überall sind Hunde willkommen
Natürlich gibt es auch Momente, in denen ich nicht mitkommen darf.
Das kommt zum Glück selten vor.
Manchmal muss Miriam Andreas an Orten unterstützen, an denen Hunde nicht willkommen sind.
Man darf Zügen leider nicht einfach nachlaufen, wurde mir erklärt.
Und manchmal besucht Andreas große Häuser, in denen seltsame Menschen laut singen, als wäre ihnen jemand auf den Schwanz gestiegen oder als wären plötzlich alle Katzen der Nachbarschaft zu Besuch.
Diese Häuser nennen Menschen Kultur.
Ich nenne sie irritierend.
Manchmal denke ich mir allerdings:
Wenn ich Assistenzhund wäre, dürfte ich dort wahrscheinlich trotzdem hinein.
Assistenzhunde dürfen nämlich viele Orte betreten, die anderen Hunden verschlossen bleiben.
Andererseits frage ich mich, ob ich das wirklich möchte.
Freiwillig stundenlang Menschen zuhören, die wie beleidigte Katzen jaulen?
Da bleibe ich vielleicht doch lieber zu Hause auf dem Sofa.
Trotzdem finde ich den Gedanken spannend.
Denn genau wie ein Assistenzhund seinen Menschen überallhin begleiten darf, darf auch Miriam als Persönliche Assistentin Orte betreten, die andere Menschen normalerweise nie zu Gesicht bekommen.
Manchmal begleitet sie Andreas in Bereiche der Bahn, die für die meisten Reisenden verborgen bleiben.
Während andere davor stehen bleiben müssen, darf Miriam mitkommen, weil sie Andreas bei seiner Arbeit unterstützt.
Genau wie ein Assistenzhund.
Nur eben auf zwei Beinen.
Dao, der Hund mit Beruf
Eines Tages habe ich im Dienst außerdem Dao kennengelernt.
Dao ist ein Golden Retriever.
Ein netter Hund.
Natürlich nicht ganz so klug, elegant und schön wie ich, aber durchaus in Ordnung.
Der große Unterschied zwischen uns:
Dao musste arbeiten.
Während ich mich tagsüber meinen Menschen, meiner Umgebung und meiner Schönheit widmen konnte, hatte Dao tatsächlich Aufgaben.
Er war Assistenzhund von Beruf.
So etwas gibt es tatsächlich.
Martin, sein Mensch, sieht sehr schlecht.
Deshalb muss Dao ihm den Weg zeigen, Hindernisse erkennen und im Alltag unterstützen.
Und das macht er erstaunlich gut.
Dao läuft an allen möglichen Ablenkungen vorbei.
Sogar an Würsten.
An echten Würsten.
Er lässt sie einfach links liegen, um sich weiter auf seine Aufgabe zu konzentrieren.
Wenn ich daran denke, weiß ich ehrlich gesagt nicht, ob das der richtige Beruf für mich wäre.
Wurst links liegen lassen.
Dafür jemand anderem den Weg zeigen.
Zum Beispiel zum Eissalon.
Oder an einer Wurstbude vorbeigehen, ohne stehen zu bleiben.
Das klingt schon nach sehr viel Verantwortung.
Andererseits habe ich dann kurz darüber nachgedacht.
Vielleicht ist Martin für Dao einfach das, was Miriam für mich ist.
Und wenn Miriam meine Hilfe brauchen würde, würde ich sie wahrscheinlich auch überallhin begleiten.
Sogar zum Eissalon.
Oder, realistischer betrachtet, zum nächsten Gemüsestand.
Denn Miriam interessiert sich leider deutlich mehr für Gemüse als für Würste.
Dao jedenfalls war sehr stolz auf seine Arbeit.
Und ich muss zugeben:
Er machte seine Sache wirklich gut.
Wenn ein Hund so konzentriert arbeitet, dass er jede Wurst am Weg ignoriert und gleichzeitig seinem Menschen sicher durch die Welt hilft, dann ist das schon etwas Besonderes.
Trotzdem war ich am Ende ganz zufrieden mit meiner eigenen Berufswahl.
Während Dao konzentriert arbeiten musste, durfte ich auf Teppichen liegen, die Sonne genießen, gelegentlich ein Stück Wurst organisieren und wichtige Gespräche mit anderen Hunden führen.
Jemand muss schließlich auch dafür sorgen, dass im AssistenzTEAM ein gewisses Maß an Entspannung, Stil und Fellpflege erhalten bleibt.
Und wenn ich ganz ehrlich bin, glaube ich, dass ich darin außergewöhnlich talentiert bin.
Andererseits hat Dao schon auch gewisse Vorteile.
Vielleicht sollte ich selbst eine Ausbildung zum Assistenzhund machen.
Oder gleich studieren.
Als Assistenzhund dürfte ich nämlich praktisch überall mit.
In Restaurants.
In Hotels.
Bei wichtigen Terminen.
In Zügen.
Und vielleicht sogar in diese seltsamen Gesangsaufführungen.
Ob ich das wirklich möchte, ist allerdings eine andere Frage.
Aber die teuren Restaurants würden mich schon reizen.
Dort würde ich selbstverständlich die allerbesten Würste der Welt serviert bekommen.
Von einem berühmten Gault-Millau-Koch.
Mit mindestens fünf Hauben.
Vielleicht sogar sechs.
Man sollte bei seinen Träumen schließlich nicht zu bescheiden sein.
Wenn ich es mir recht überlege, wäre das eigentlich eine hervorragende Karriere.
Assistenzhund tagsüber.
Wurstverkoster am Abend.
Und dazwischen Schönheitsschlaf.
Was ich über das AssistenzTEAM gelernt habe
Wenn ich auf all die gemeinsamen Dienste, Wanderungen, Reisen, Wurstverkostungen und Abenteuer zurückblicke, dann fällt mir vor allem eines auf:
Im AssistenzTEAM geht es nicht nur um Arbeit.
Es geht um Menschen, die gerne Zeit miteinander verbringen, einander unterstützen und gemeinsam durchs Leben gehen.
Miriam kümmert sich um Andreas.
Andreas freut sich, wenn Miriam da ist.
Und ich passe auf, dass beide nicht zu ernst werden.



Vielleicht sind es für die Menschen nur gewöhnliche Arbeitstage.
Für mich sind es gemeinsame Abenteuer.
Denn egal ob wir durch Wien spazieren, mit dem Zug in die Berge fahren, auf der Wiese liegen oder einfach einen ruhigen Nachmittag verbringen:
Solange Miriam in meiner Nähe ist,
ich meinen Platz in der Sonne finde,
und am Ende des Tages jemand die Stelle zwischen meinen Schulterblättern krault,
habe ich alles, was ein Hund zum Glücklichsein braucht.
Und wenn dann auch noch irgendwo ein kleines Stück Wurst auftaucht,
dann ist das Leben eigentlich perfekt. 🐾❤️
